Geld+Ethik=Chance

Geld und Wasser haben einiges gemeinsam: Es braucht Wasser, um Dinge wachsen zu lassen und zum Blühen zu bringen. Wasser kann aber auch zerstörerisch wirken und großen Schaden anrichten. Genauso ist es mit dem Geld: richtig eingesetzt hilft es, Herausforderungen in unserer Gesellschaft zu bewältigen, falsch eingesetzt führt es dazu, dass soziale und ökologische Probleme verstärkt werden oder neu entstehen.

Wie wir mit Geld umgehen, wie wir es einsetzen und
was wir damit machen, ist entscheidend.

Die ethisch-nachhaltige Geldanlage setzt hier an und hat zum Ziel, das Geld in die richtigen Kanäle zu lenken. Damit Gutes entstehen kann und Schlechtes vermieden wird.

„Ethisch handeln“ – das klingt für manche schon zu sehr nach erhobenem Zeigefinger. Aber Ethik bedeutet zunächst einmal nur, über das eigene Handeln (Individualethik) und über den Zustand gesellschaftlicher Institutionen (Sozial- oder Strukturenethik) zu reflektieren. Es geht darum, darüber nachzudenken, welche Auswirkungen unser Handeln und die Funktionsweise gesellschaftlicher Institutionen – wie zum Beispiel der Wirtschaft – auf Mensch und Umwelt haben. Wenn wir erkennen, dass – direkt oder indirekt – Mensch oder Umwelt  geschädigt werden, oder wenn wir davon ausgehen können, dass bestimmte wirtschafliche Prozesse soziale und ökologische Schäden verursachen, liegt es – natürlich nicht nur, aber auch – an uns, die Dinge zu ändern.

Denn die wirtschaftliche Realität ist kein Naturereignis,
sondern das Resultat sozialer Prozesse.

Das bedeutet, dass wir diese Realität nicht hinnehmen müssen, sondern gestalten können.

Ethisch zu handeln im Kontext der Geldanlage bedeutet sich bewußt zu werden, dass man mit der Geldanlage eine Möglichkeit besitzt, zur Veränderung der wirtschaftlichen Realität beizutragen. Hierzu gibt es verschiedene Ansätze und Möglichkeiten. Jede Investor, jede Investorin verfügt über Handlungsmöglichkeiten und Spielräume, um verantwortlich zu handeln.

Wenn jemand über Geldmittel verfügt, die nicht ausgegeben, sondern für zukünftige Vorhaben zurückgelegt werden sollen, stellen sich eine Reihe von ökonomischen Fragen:

  • Wie geht das Geld nicht verloren? (Sicherheit)
  • Wie ist es dann verfügbar, wenn es gebraucht wird? (Verfügbarkeit)
  • Wie kann es Ertrag abwerfen? (Rendite)

Für immer mehr Menschen stellt sich aber zusätzlich die Frage, wie die Rendite zustande kommt bzw. welche Projekte und Aktivitäten mit der Geldanlage ermöglicht oder unterstützt werden:

  • Wird die Rendite realwirtschaftlich erbracht oder durch bloße Finanzakrobatik – mit der möglichen Konsequenz, dass damit Spekulationsblasen erzeugt werden, die irgendwann in sich zusammenbrechen?
  • Erfüllt das betreffende Unternehmen oder der Staat, dem man sein Geld zur Verfügung stellt, wichtige soziale und ökologische (Mindest-)Standards?
  • Welche Wirkung hat meine Geldanlage eigentlich auf die Emittenten von Wertpapieren?


In der Regel wird veranlagtes Geld Unternehmen, Projekten, Banken oder Staaten zur Verfügung gestellt. Diese bieten dafür Zinsen bzw. eine Gewinnbeteiligung, die aber nur dann zur Auszahlung gelangen können, wenn das zur Verfügung gestellte Geld wirtschaftlich effizient und gewinnbringend verwendet wird – also ein Mehrwert erwirtschaftet wird. Und hier stellt sich die Frage, womit bzw. auf welche Weise dieser Mehrwert erwirtschaftet wird.

Gewinne können auf sehr unterschiedliche Weise erwirtschaftet werden und tatsächlich gibt es auch immer mehr Menschen, die Wert darauf legen, dass die Gewinnerwirtschaftung nicht auf eine Art und Weise erfolgt, die sie mit ihrem Gewissen, also mit ihren Vorstellungen von „gutem Leben“ oder menschen-gerechtem Wirtschaften nicht vereinbaren können.

Sie wollen ihr Geld unter ethischen Gesichtspunkten eingesetzt wissen und dazu beitragen, dass die Gewinnerwirtschaftung nicht zum Schaden von Mitmenschen oder zu Lasten der Umwelt erfolgt („vemeidende ethische Geldanlage“) bzw. ganz gezielt ein anderes, alternatives Wirtschaften fördert („fördernde ethische Geldanlage“).

Für viele ist auch klar, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insgesamt ändern müssen. Dient ihre unter ethischen Gesichtspunkten getätigte Geldanlage also dieser Veränderung, hemmt sie diese, verfestigt sie diese Strukturen sogar oder ist sie vielleicht neutral? Immer mehr Menschen erwarten sich jedenfalls einen positiven Steuerungseffekt durch ethische Geldanlage – nicht zuletzt weil die ethisch-nachhaltige Geldanlage zu einem Kulturwandel beitragen kann, welcher das gute Leben für alle in den Mittelpunkt wirtschaftlicher Aktivitäten stellt.

Ist Geld- oder Vermögensbesitz bzw. Geldanlage nicht schon an sich problematisch? Man könnte argumentieren, dass wirtschaftliche und vor allem finanzwirtschaftliche Vorgänge dermaßen komplex sind, dass man nie ganz sicher sein kann, alle Bereiche sozialer und ökologischer Verantwortung ausreichend zu berücksichtigen.

Außerdem ist ja auch eine ethische Geldanlage eine Geldanlage am Finanzmarkt, einem gerade hinsichtlich sozialer und ökologischer Fragen heftig kritisierten Bereich der modernen Ökonomie. Tatsächlich sind solche Bedenken ernst zu nehmen. Dass der Finanzkapitalismus weltweit auch zu großen sozialen, ökologischen und ökonomischen Verwerfungen führt, ist spätestens seit Beginn der Finanzkrise evident. Wie aber kann man das ändern?

In der ethischen Reflexion gesellschaftlicher Phänomene kann man drei Handlungsebenen unterscheiden:

  • die Makro-Ebene, bei der es um die Setzung einer Rahmenordnung (finanz-)wirtschaftlicher Prozesse geht,
  • die Meso-Ebene, die das Geschäftsmodell von Unternehmen und insbesondere von Finanzdientleistungsunternehmen ethisch reflektiert und daraus Maßnahmen ableitet undie Mikro-Ebene, bei der es konkret um das verantwortliche Handeln von uns allen geht.


Auf diesen drei Ebenen können Veränderungen erfolgen – und welchen Beitrag man selbst dafür leisten kann, hängt ganz wesentlich von den Möglichkeiten ab, die man hat. Diese Möglichkeiten können – je nachdem, in welcher Position und Funktion man ist – sehr unterschiedlich sein. Bei der Geldanlage kann man aber wohl sagen, dass es kaum Fälle gibt, in denen man nur so und nicht anders handeln kann.

Umgekehrt heißt das: wir verfügen über Handlungsspielräume, die zu nutzen Ausdruck verantwortlichen Handelns ist.

Im betriebs- und volkswirtschaftlichen Kontext ist es üblich, Outputs, Veränderungen oder Wirkungen bis in die letzte Kommastelle zu quantifizieren.

Anders verhält es sich bei der Ethik oder bei der Nachhaltigkeit: hier können Veränderungen und Wirkungen nicht immer in der gleichen Weise quantifiziert werden, weil sich Phänomene wie Glück und Zufriedenheit oder ökosphärische Zukunftsfähigkeit einer Messung im ökonomisch-mathematischen Sinne in der Regel entziehen.

Dazu kommt, dass wir es bei sozialen und ökologischen Fragen häufig mit komplexeren Wirkzusammenhängen als in der Ökonomie zu tun haben. Im sozialen und ökologischen Bereich ist es oft nicht oder nur sehr schwer möglich, unterschiedliche Kausalitäten voneinander getrennt exakt zu erfassen. Kurzum: welche Wirkung meine persönliche ethisch-nachhaltige Geldanlageentscheidung auf Gesellschaft und Umwelt hat, läßt sich häufig nicht so messen, wie das in der Wirtschaft(swissenschaft) erwartet wird. Das bedeutet aber einerseits nicht, dass eine verantwortliche Geldanlage wirkungslos bliebe. Und andererseits ist zu hinterfragen, ob diese exakte Quantifizierung tatsächlich so wichtig ist. Um es mit einem Zitat, das Albert Einstein zugeschrieben wird, zu verdeutlichen: Nicht alles was im Leben zählt, ist zählbar bzw. nicht alles, was zählbar ist, wählt auch wirklich im Leben.

  • Mit der Entscheidung, sein Geld in Unternehmen und Institutionen zu investieren, die auf sozial und ökologisch verantwortliche Weise wirtschaften, wird zunächst einmal signalisiert, dass man bestimmte Formen der Gewinnerwirtschaftung ablehnt und man mit seinem Geld nicht Wirtschaftsweisen unterstützt, die aus ethischen Gründen abzulehnen sind.
  • Für Unternehmen und Institutionen, die sozial und ökologisch unverantwortlich agieren, können die Kosten steigen, wenn Investorinnen und Investoren sich weigern, in diese Unternehmen zu investieren. Umgekehrt können sich Unternehmen, die sozial und ökologisch verantwortlich agieren, günstiger am Kapitalmarkt refinanzieren, wenn ethisch orientierte Investorinnen und Investoren bevorzugt in sie investieren. InvestorInnen haben also die Möglichkeit, gerechte Wirtschaftsweisen zu fördern und ungerechte zu erschweren.
  • Wenn darüber hinaus soziales und ökologisches Fehlverhalten von Unternehmen in der Öffentlichkeit bekannt wird, kann dies massive Auswirkungen auf das Image von Unternehmen haben. Es zeigt sich immer wieder, dass Produkte und Dienstleistungen daraufhin reflektiert werden, welche Auswirkungen sie auf Menschen und Natur haben und wie sie produziert werden. Viele Produkte und Dienstleistungen werden daraufhin oft von den Konsumenten abgelehnt. Auch Regierungen haben sich vor ihren Wählerinnen und Wählern zu verantworten, wenn ihre Staatsanleihen aus sozialen und ökologischen Gründen auf Ablehnung stoßen.

Sozial und ökologisch verantwortlich agierende Unternehmen und Institutionen können die Chance nützen, in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen zu werden und sich dadurch ein positives Image aufzubauen. Für Unternehmen und Institutionen wird damit ein Anreiz geschaffen, sozial und ökologisch verantwortlich zu agieren und dadurch den Unternehmenswert zu steigern.

Die Entscheidung zu ethisch-nachhaltigem Investment bedeutet auch für die Finanzwirtschaft einen Anreiz zu Veränderungen. Die meisten Banken und Kapitalanlagegesellschaften bieten ethisch-nachhaltige Geldanlageprodukte an und werden damit dem steigenden Interesse an solchen Produkten gerecht. Einige Finanzdienstleistungs-Unternehmen sind bereits dazu übergegangen, ihre gesamte Angebotspalette an sozialen und ökologischen Kriterien auszurichten. Damit kommt es auch innerhalb der Finanzwirtschaft zu einem geänderten Bewusstsein gegenüber sozialer und ökologischer Verantwortlichkeit.

Wenn genügend Menschen und Institutionen umdenken und eine kritische Masse an ethisch-nachhaltig angelegtem Kapital entsteht, kann sich etwas zum Positiven verändern. Aktuell ist das Potenzial zumindest schon so hoch, dass von vielen Unternehmen wenigstens einzelne Maßnahmen mit besonderem ökologischen oder sozialen Wert gesetzt werden, Nachhaltigkeitsreports veröffentlicht werden etc. In Kombination mit Anstrengungen auf anderen Ebenen – etwa in der Politik oder beim Konsum – kann sich etwas ändern.

Was heißt ethisches Handeln im Zusammenhang mit Geld und Vermögen?

In der Ethik geht es darum, unser Handeln in Hinblick auf gut oder schlecht, richtig oder falsch, gerecht oder ungerecht zu reflektieren. Letztlich werden wir dabei von unseren Vorstellungen eines guten und gerechten Lebens geleitet.

Diese Vorstellungen können von Mensch zu Mensch verschieden sein, können in einzelnen Fragen sozialer und ökologischer Gerechtigkeit zu unterschiedlichen Ergebnissen und auch zu Dilemma-Situationen führen, sind also letztlich oft auch persönliche Gewissensentscheidungen.

Deshalb gibt es keine für alle Menschen gleichermaßen zutreffende ethische Geldanlage, sondern unterschiedliche Formen derselben, welche den unterschiedlichen Wertevorstellungen der Menschen Rechnung tragen.

Das heißt auch, dass wir die Verantwortung für unser Handeln niemals gänzlich delegieren können, sondern immer selbst zu tragen haben. Stimmt schon, in komplizierten und komplexen Fällen ist es unmöglich, alles Aspekte zu kennen und beurteilen zu können. Zumindest tragen wir eine Mit-Verantwortung für das, was in unserem Auftrag oder auch nur zu unserem Zwecke gemacht wird. Das ist eine große Herausforderung, manchmal vielleicht sogar eine Überforderung.

Bezogen auf die ethisch-nachhaltige Geldanlage würde das bedeuten, dass wir uns über ökonomische Zusammenhänge genauso wie auch über einzelne Unternehmen und Institutionen ein breites Wissen aneignen müssten, um deren soziale und ökologische Verantwortlichkeit umfassend einschätzen zu können. Aus vielerlei Gründen ist das nicht möglich: In der Regel verfügen wir nicht über ein ausreichendes Maß an Informationen. Meist sind unsere zeitlichen und finanziellen Ressourcen beschränkt. Das heißt aber nicht, dass eine ethisch-orientierte Geldanlage von vorn herein unmöglich ist. Im Gegenteil: verantwortlich zu investieren bedeutet, Handlungsspielräume zu nützen und im Rahmen der Möglichkeiten bestmögliche Lösungen anzustreben.

Eine zentrale Informationsquelle für ein seriöses ethisch-nachhaltiges Investment bilden Nachhaltigkeits-Ratingagenturen, die Unternehmen, Institutionen und Projekte nach sozialen und ökologischen Kriterien bewerten. Diese Agenturen sind eine wichtige, in vielen Fällen unverzichtbare Entscheidungshilfe für ethisch-nachhaltige Investoren, nehmen dem Investor die eigene Gewissensentscheidung aber letztlich nicht ab: als Investor bleibt die Letztverantwortung dafür, was mit meinem Geld passiert, bei mir.